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1949

Hier sind viele Deutsche

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29.12.1949

Schmutziger Krieg

 

Unteroffizier Zimmermann hat einen gleichnamigen Widersacher gefunden. Fast zu derselben Zeit, da der einstige Panzersoldat aus Rommels Afrika-Korps das 2. Regiment der französischen Fremdenlegion verließ und zu den nationalkommunistischen Aufrührern in Indochina überging, wechselte der Pariser Generalstab seinen Oberbefehlshaber im südostasiatischen Dschungelkrieg. Der neue Mann heißt Charpentier, was auch nichts anderes als Zimmermann bedeutet.

Der französische General kennt seinen deutschen Namensvetter nicht persönlich. Aber er weiß, daß viele Zimmermänner im tonkinesischen Hinterland die fanatisierten Haufen des Moskau-geschulten Rebellenchefs Ho Chi Minh in militärische Disziplin zwingen. Darum sind ihm die entsprungenen Fremdenlegionäre deutscher Nationalität ein Aergernis. Darum möchte er sie zurück haben.

Auf seinen Befehl ließ sein Unterbefehlshaber in der nördlichen Grenzprovinz Tonkin, General Alessandri, an die Kasernenwände in Hanoi einen Generalpardon ankleben. Wer von den desertierten "Ausländern" - gemeint sind die deutschen Legionäre - sich freiwillig bis zum 31. Dezember 1949 den französischen Behörden stelle, werde begnadigt. Ansonsten: Kriegsgericht.

Kaum einer wird freiwillig zurückkommen. Aber es wird keiner dem französischen Kriegsgericht den erwünschten Abschreckungsfall liefern. Dafür hat Ho Chi Minh gesorgt. Er setzt seine kriegsgeübten Deutschen nicht an der "Front" ein. Als Ausbilder, Generalstäbler und Waffenmeister sind sie ihm wichtiger.

In Cao-Bang, wo Tonkin und die chinesische Provinz Yünnan aneinanderstoßen, schult Rommels Panzerleutnant Alfred Ulbrich analphabetische Annamiten an Panzerabwehrgeschützen. Allerdings hat sich der Pfälzer schon längst einen unaussprechbaren China-Namen zugelegt. Seinen Geburts- und seinen Legionärsnamen Laubun vergaß er fast schon selbst.

In Nord-Annam bei dem Orte Vinh fertigt der sudetendeutsche Waffeningenieur Hans Czernek leichte MGs für Ho Chi Minh. Daneben stehen Grabenmörser, Landminen und Handgranaten auf seinem Produktionsprogramm. In der Leichtwaffen-Abteilung der Zbrovka-AG. in Brünn lernte Czernek sein Handwerk.

Im Stabe des spitzbärtigen Rebellenchefs sorgt sich ein deutscher Hauptmann um den Nachschub, der über die portugiesische China-Kolonie Macao langsam, aber stetig hereinkommt. Seine Söldner-Etappen gibt er freimütig bekannt: El Alamein - Syrien - Indochina. Aber seinen Namen will er nicht nennen. Er hat Angehörige in der französischen Zone. Ihnen kann er nur auf dunklen Schmuggelwegen manchmal eine Botschaft zukommen lassen. Wie diese:

"Hier sind viele Deutsche. Die Abteilung IIb haben wir schon durchorganisiert. - Die Schwierigkeiten mit der Ausrüstung sind fast überwunden ... Die Ausbildung in den Ersatzkaders ist jetzt nach einheitlichem Reglement im Gange, auch in der Gefechtsausbildung haben wir nun freie Hand ..."

Heinrich Zimmermann aber macht Propaganda. Der einstige Posener Theologiestudent wirbt mit Flugblättern um seine französisch gebliebenen Legionärskameraden und sucht mit Lautsprechern die Söldner-Front seelisch zu zermürben.

Von Saigon bis Macao erzählt man sich muntere Propagandastückchen des vormaligen Legionärs Wronczy:

So ließ er an einem tropendunklen Septemberabend seine Lautsprecher über den Mekong das Deutschlandlied hinüberprahlen.

Von etwa 400 Deutschen im Dienste Ho Chi Minhs berichten amerikanische Korrespondenten. Es mögen einige mehr, es mögen einige weniger sein. Denn nicht alle blieben ihrem zweiten Soldgeber treu. Manche wanderten weiter durch Dschungel und Gebirge und tauchten eines Tages in dem Himalaja-Märchen-Königreich Nepal auf. Andere stießen zu den indonesischen Freiheitskämpfern.

Die bei Ho Chi Minh blieben, trugen ihr Teil dazu bei, daß die Viet-Minh-Partei des Rebellenchefs erstmals modern geschulte Verbände in Stärke bis zu 5000 Mann offensiv ins Feld schicken konnte. Waffen sind auch da. Was in Ho Chi Minhs nordannamitischer Produktion nicht selbst hergestellt werden kann, liefert Mao Tse-tung oder kommt direkt aus Rußland.

Seit General Charpentiers Operation "Bastille" Ende August planmäßig in Wetter- und Nachschubschwierigkeiten steckenblieb, beherrschen Ho Chi Minhs Gesellen die ganze China-Grenze.

Die komplette russische Feldlazarett-Ausrüstung, die Charpentier im September in einem Gefecht westlich Hanoi erbeutete, bewies Mao Tse-tungs Nachbarschaft.

Bis in die französische Hauptstadt reichen die untergründigen Einflüsse Ho Chi Minhs. Kaum war der Generalstabschef Revers vor einigen Monaten von seiner Indochina-Inspektion zurückgekehrt, da mußte er abtreten. Der streng geheime Bericht des Generals wurde bereits nach Tagen hundertfach vervielfältigt von Ho Chi Minhs Agenten verteilt.

Der Franzosen Prunk- und Zugstück in Südostasien, Annams einstiger Kaiser Bao Dai, vermag im eigenen Lande nicht mehr zu gefallen. Statt in Saigon zu regieren, ließ sich der kinderreiche Familienvater erst jüngst zur eigenen Erbauung ein ganzes Chinamädchen-Ballett aus Hongkong kommen. Zu Weihnachten und Neujahr will er überdies nach Paris.

Der französische Generalstab aber wird weiter wohl oder übel auf die Bao-Dai-Karte setzen müssen. Die Räumung Indochinas, der bequemste Weg, kommt nicht in Betracht. Dann wäre Frankreichs letzte Bastion in Ostasien dahin. Also weiterkämpfen, und sei es nur, um die "grande nation" nicht aus dem Abwehrkampf gegen den Kommunismus in Asien auszuschalten.

Trumans Stabsoffiziere in Fontainebleau drängen überdies auf die Rückberufung der Elitetruppen, der Senegal-Neger und der 1300 Fallschirmjäger aus Indochina. Sie möchten diese Verbände lieber auf den strategisch wichtigen Bastionen Nordafrikas und Westeuropas auf Wache sehen.

Der Dschungelkrieg, der "schmutzige Krieg", kostete die Franzosen 1949 76 bis 81 Milliarden Francs. Er wird sie 1950 noch mehr kosten.

Nur Waffen durfte das Kriegsministerium in den letzten Monaten zusätzlich nach Indochina verschiffen. Dazu mußte alles zusammengekratzt werden, was in Frankreich an Kriegsgerät erzeugt wird. Was Washington sendet, muß vertragsgemäß in Europa bleiben.

DER SPIEGEL 53/1949
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