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Légionnaire toujours...

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In der Fremdenlegion kämpften nach Ende des Zweiten Weltkrieges Zehntausende Deutsche - zuletzt im Algerien-Krieg, der vor 55 Jahren begann. Sie töteten und starben für ein paar Cent Sold, das Recht auf Anonymität und für die Sache Frankreichs. Einer der Legionäre war der Berliner Horst Pahl. Von Kai Posmik

Alles, aber nicht auch noch Algerien! Viel hatte Frankreich in den letzten Jahren ertragen: Den Klang deutscher Wehrmachtsstiefel auf den Champs-Élysées in Paris. Die Schande, sich nicht aus eigener Kraft von der Nazi-Besatzung befreit zu haben. Und zuletzt der demütigende Verlust Indochinas: Von vietnamesischen Truppen in Dien Bien Phu vernichtend geschlagen, hatte Frankreich im Frühjahr 1954 seine asiatische Kolonie verloren.

Und nun dieser 1. November 1954. Dutzende Bomben detonieren in Algiers, der Hauptstadt. Erstmals gelingt der Algerischen Befreiungsfront FLN so ein großer Angriff auf die Franzosen, die verhassten Besatzer. Die sehen das freilich anders. Algerien eine "Kolonie" Frankreichs? Franzosen als "Besatzer"? Das weist die Pariser Elite empört von sich. Sie rechnet Algerien zum französischen Mutterland. Eine Million Franzosen siedeln hier - und deshalb darf Algerien niemals fallen. "Algérie française" ist Schlachtruf der Franzosen.

Paris schickt Soldaten, Hunderttausende. Das geht nur mit Wehrpflichtigen, was in Frankreich für Unruhe sorgt. Bei den Ehefrauen und Eltern. Aber auch bei Politikern. Tote Soldaten sind schlecht, wenn man gewählt werden will. Für den Einsatz an vorderster Front sind deshalb andere vorgesehen. Soldaten, deren Tod in Frankreich niemand beweint: Fremdenlegionäre. Die meisten sind Deutsche.

Jeder zweite Legionär war Deutscher

Horst Pahl ist einer von ihnen. 1931 wird er geboren, wächst in Berlin auf. Die Jugend ist vom Zweiten Weltkrieg bestimmt und von fehlender Liebe der Eltern. Die bedeuten ihm eines Tages, er möge doch endlich die elterliche Wohnung verlassen. Horst Pahl ist da 16 Jahre alt. Er geht weg aus Berlin und arbeitet irgendwo in Westdeutschland. Im Stahlwerk am Hochofen, erinnert sich Claudia Walter, die Tochter. Irgendwann 1948 muss es dann passiert sein. Wie genau er an die Fremdenlegion geraten ist, weiß auch die Tochter nicht. Zu selten hat der Vater über seine Legionszeit gesprochen. Viel zu früh ist er gestorben. 1983, Claudia Walter ist gerade 19.

Die Arbeit am Hochofen ist hart und eintönig. Sollte das Leben nicht mehr bereithalten für einen jungen Mann? Möglich, dass Horst Pahl über Zeitungsartikel auf die Legion aufmerksam wird. Denn in der deutschen Presse ist die Empörung groß, weil Frankreich Deutsche für die Fremdenlegion rekrutiert. Sollen doch die Franzosen sterben für ihre Kolonien. Die Fremdenlegion, so warnen deutsche Medien, ist sicherer Tod für Tausende Deutsche. Abschreckend ist das jedoch nicht. Je mehr die Presse über die Fremdenlegion schimpft, umso mehr Deutsche zieht die an. Von 1945 bis zur Unabhängigkeit Algeriens 1962 werden es etwa 50.000 sein. Die Hälfte aller Legionäre ist damit aus Deutschland.

Neu ist das allerdings nicht. Dass in Frankreichs berüchtigter Söldnertruppe die Deutschen das Rückgrat bilden, ist schon Jahrzehnte vor Ende des Zweiten Weltkrieges Tradition. Viele strömen in den Dienst des Nachbarlandes, weil sie arbeitslos sind. Andere wollen Abenteuer erleben oder sie treibt der Liebeskummer. Und natürlich sind auch ein paar Kriminelle darunter. Schützt doch das sogenannte Anonymat, das Recht, seinen echten Namen zu verheimlichen, vor Strafverfolgung. Wer einmal in der Legion ist, der hat mit seinem alten Leben abgeschlossen. Mindestens für fünf Jahre. Viele bleiben länger.

"Bilderbuchlegionäre von besessener Disziplin"

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ist französischen Militärs klar: Man braucht mehr Deutsche. Ohne sie wird es sonst keine Fremdenlegion mehr geben. Deutschland ist groß, mit genügend jungen Männern, deren Qualitäten in Frankreich hoch im Kurs stehen. Legendär ist die Loyalität deutscher Fremdenlegionäre, seit Tausende von ihnen im Ersten Weltkrieg für Frankreich gegen die eigenen Landsleute kämpften. Außerdem hält man Deutsche für die besten Soldaten überhaupt: "Da sie beispielhafte Soldaten waren, waren sie auch Bilderbuchlegionäre. Von einer fast besessenen Disziplin und per definitionem mutig", erinnert sich ein französischer General.

Der Hunger nach deutschen Legionären ist entsprechend groß. Hitler-Deutschland hat noch nicht kapituliert, da werben die Franzosen bereits unter gefangenen Wehrmachtssoldaten für die Legion. Ab Januar 1945 macht Frankreich so aus alten Feinden neue Verbündete. Nicht wenige Franzosen sind entsetzt über diese Flexibilität. Wer garantiert, dass kein deutscher Kriegsverbrecher als Legionär der verdienten Strafe entgeht? Aber die Legion überprüft die Angeworbenen streng. Möglich, dass ein paar Nazis die Uniform wechseln können, die Regel ist das nicht. Sowieso haben ehemalige Wehrmachtssoldaten nur in den ersten Nachkriegsjahren größere Bedeutung. Der typische deutsche Legionär ist zu jung, um noch in die Wehrmacht gedient zu haben. Der typische Legionär ist wie Horst Pahl.

Der ist 17, als er am 24. August 1948 in die Legion eintritt. Eigentlich ein Jahr zu jung. Aber Horst Pahl hat seine Papiere gefälscht, macht sich älter. Nach seiner Grundausbildung wird er nach Indochina geschickt. Obwohl der Krieg gegen die kommunistische Viet Minh erbarmungslos ist, verpflichtet sich Horst Pahl 1953 für drei weitere Jahre. Zweimal wird er in Indochina verwundet, aber er überlebt. Frankreich verleiht ihm die Médaille Blessés, das Verwundetenabzeichen. Als Indochina verloren ist, wird Pahl nach Algerien verschifft. Wieder werden die Legionäre an vorderster Front eingesetzt.


"Flucht aus der Hölle"

Zusammen mit französischen Fallschirmjägern bildet die Fremdenlegion die Réserve génerale, eine hochmobile Kampfeinheit. Unablässig durchkämmen die Soldaten Algerien auf der Suche nach Aufständischen. Der massive Einsatz von Legionären und Fallschirmjägern ist zunächst erfolgreich. Doch es gehört zur Logik dieses Krieges, dass dadurch die FLN immer mehr Zulauf erhält. Auf beiden Seiten wird nun erbarmungslos gekämpft. Um an Informationen zu kommen, foltern Soldaten der Réserve génerale Gefangene; auch deutsche Fremdenlegionäre gehören zu den Folterern. Die Algerier antworten nicht weniger brutal. Wer ihnen als Legionär oder Fallschirmjäger in die Hände fällt, hat keine Gnade zu erwarten.

Die französische Regierung gerät immer mehr unter Druck. Die Mehrheit der Franzosen will raus aus Algerien. Dann gerät der Konflikt auch noch ins Fahrwasser des Kalten Krieges. Die DDR hat das Thema entdeckt. Mit den vielen deutschen Legionären lässt sich trefflich Propaganda machen. Ost-Berlin wirft der Regierung Adenauer Kriegstreiberei vor, weil sie nichts gegen die Anwerbung der Deutschen für die Legion tut. Außerdem sieht die DDR-Führung in den Rekrutierungserfolgen der Legion ein Zeichen für das Ende des kapitalistischen Systems. Denn wie schlecht muss es jungen Männern im Westen wohl gehen, wenn sie sich bei der Fremdenlegion verdingen?

Die ostdeutsche Defa produziert sogar einen Propagandafilm, "Flucht aus der Hölle". Der Titel ist Programm. Der deutsche Legionär Hans Röder - gespielt von Armin Mueller-Stahl - kann den Dienst für Frankreich nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren. Mit Hilfe der FLN flieht er in die DDR. Tatsächlich soll der Film Legionäre zum Desertieren und zur Flucht in die DDR bewegen. Doch die Erfolge sind bescheiden, die Seele des Legionärs hat Ost-Berlin völlig falsch einschätzt. Zum Markenzeichen der Legion gehört, dass in Kriegszeiten deutlich weniger Soldaten desertieren als im Frieden. Die meisten Legionäre ziehen den Krieg dem langweiligen Kasernenleben ganz einfach vor.

Todesstrafe für deutsche Putschisten

Auch Horst Pahl will nach acht Jahren Legion eigentlich weitermachen. Zunächst aber muss er eine Malaria auskurieren; dafür will er einige Zeit mit einem Kameraden nach Frankreich gehen. Doch der fährt kurz vor der Abreise auf eine Mine und stirbt. So kommt Pahl 1956 wieder zurück nach Berlin, immer noch fest entschlossen, wieder in die Legion zu gehen. Die Liebe verhindert das: Horst Pahl lernt seine spätere Frau kennen und kehrt in ein bürgerliches Leben zurück. Er wird Busfahrer bei den Berliner Verkehrsbetrieben und Vater von drei Töchtern; Claudia Walter ist die jüngste.

In Algerien beendet Frankreichs Präsident Charles de Gaulle den Krieg schließlich, weil er nicht zu gewinnen ist. Algerien soll unabhängig werden - eine Entscheidung, gegen die 1961 einige Generäle des französischen Heeres des Staatsstreich wagen. Wieder zeigen die Fremdenlegionäre, wem ihre Loyalität gilt, nämlich der Legion und der Armee, nicht der Republik: Speerspitze der Putschisten sind Fallschirmjäger der Fremdenlegion. Sie verüben Bomben- und Mordanschläge. Zwei beteiligte deutsche Legionäre werden 1962 in Paris hingerichtet.

Mit dem Algerien-Krieg endet auch die fast hundertjährige Dominanz der Deutschen in der Fremdenlegion. Auf Abenteuerlustige hat sie ihre Anziehungskraft verloren. Es gibt nichts mehr zu kämpfen. Auch wegen Arbeitslosigkeit muss kein Deutscher mehr bei der Elitetruppe anheuern. In der Bundesrepublik brummt die Wirtschaft. Weil die Deutschen fehlen, dürfen bei der Legion fortan auch Afrikaner und Asiaten dienen. Bis heute noch gehört die Fremdenlegion zu den schlagkräftigsten Einheiten der Welt; derzeit sind Frankreichs Legionäre in Afghanistan im Einsatz.

Wenn Claudia Walters Vater über die Legion sprach, dann war es nie Schlechtes. Trotz der Entbehrungen, trotz all der gefallenen Kameraden - die acht Jahre als Fremdenlegionär gehörten für Horst Pahl zu den schönsten seines Lebens. Vielleicht auch deshalb, weil er sich in Indochina in eine junge Vietnamesin verliebte, die ihm einen Sohn und eine Tochter gebar. Doch mit der Verlegung nach Algerien brach der Kontakt ab. Die Halbgeschwister in Vietnam zu finden, ist heute sehnlichster Wunsch von Claudia Walter. Es wäre ein letzter Dienst für den geliebten Vater.

 

Legionär Horst Pahl: Auf dem Kopf das charakteristische Képi, posiert der aus Berlin stammende Fremdenlegionär Horst Pahl für diese Aufnahme.
Dienstausweis der Fremdenlegion: Das "Brevet militaire" vermerkt den Dienstgrad von Horst Pahl. Bei Ausstellung des Dokuments am 20.10.1951 war er Caporal, was dem deutschen Rang eines Gefreiten entspricht. Später wurde daraus nach einer Beförderung durch handschriftliche Ergänzung Caporal-chef oder Hauptgefreiter. Diesen Rang bekleidete der Fremdenlegionär bis zu seiner Entlassung 1956.
Horst Pahls Orden: Während seiner Dienstzeit als Fremdenlegionär erhielt Horst Pahl diese vier Auszeichnungen. Zu sehen sind (von links nach rechts) das Croix de Guerre des Théatres d'Opérations Extérieurs (T.O.E.), eine Tapferkeitsmedaille, die "Médaille Colonial avec Agrafe Extreme Orient", die Kolonialmedaille für den Einsatz in Indochina. Dann die "Médaille Blessé", ein Verwundetenabzeichen, sowie die "Médaille Commemorative des la Campagne d'Indochine"; die Erinnerungsmedaille für die Teilnahme am Indochina-Krieg.
Schulterstücke: Deutlich zu erkennen auf den Schulterstücken und Uniformabzeichen von Horst Pahl ist die siebenflammige Granate, das Symbol der Legion bis heute. Es geht auf das Vorgängerregiment der Fremdenlegion zurück, das Regiment Hohenlohe.
Legionäre im Gleichschritt: Eine Abteilung der französischen Fremdenlegion verlässt während des Algerien-Krieges am 2. Februar 1960 ihre Kaserne in Sidi-Bel-Abbes, Algerien, um an einer Parade teilzunehmen. Unter den Legionären befanden sich nicht nur Franzosen, auch viel Deutsche versuchten auf diesem Weg, ihrem bisherigen Leben zu entfliehen.
Abschied von Algerien: Das 1. Bataillon der berühmten französischen Fremdenlegion präsentiert sich bei einer letzten Parade am 15. Juli 1962 im algerischen Sidi-Bel-Abbes. Mit dem Ende des Algerien-Krieges und der damit einhergehenden Unabhängigkeit des Landes zog auch die Fremdenlegion hier ab - nachdem sich die Legionäre zuvor jahrelange, gnadenlose Kämpfe mit der algerischen Freiheitsbewegung FLN geliefert hatte.
Patrouille in Algier: Französische Fremdenlegionäre patrouilleren am 24. Januar 1957 in der algerischen Hauptstadt Algier. Wer der Legion beitrat, durfte seine Anonymität wahren und war so vor Starfverfolgung geschützt. Zeitweise stammte rund die Hälfte der Legionäre aus Deutschland.
Marschieren für das Mutterland: Mitglieder des 5. Regiments der Fremdenlegion marschieren im Mai 1956 durch die algerische Wüste. Seit den ersten Anschlägen der Befreiungsfront FLN im November 1954 herrschte in dem französisch verwalteten Land ein brutaler Bürgerkrieg. Paris betrachtete Algerien nicht als Kolonie, sondern als Teil des Mutterlandes, da hier rund eine Million Franzosen siedelten.
Verhaftung: Zwei Fremdenlegionäre verhaften eine Bewohnerin von Sidi-Bel-Abbes. Im Kampf gegen die algerische Unabhängigkeitsbewegung kam es auf beiden Seiten zu schweren Übergriffen und Folterungen. Die Aufnahme entstand 1955.
Attacke in Algier: Immer wieder kam es während des Algerien-Kriegs zu Anschlägen, vor allem in der Hauptstadt Algier. Dieses Attentat im Juni 1957 während einer profranzösischen Demonstration war ein Racheakt für einen vorangegangenen Angriff auf ein Casino in dem Vorort Eugene, bei dem sieben Menschen starben und 83 verletzt worden waren.
De Gaulle an der Front: General Charles de Gaulle während eines Truppenbesuchs in Algerien am 1. August 1959. Weil de Gaule Algerien in die Unabhängigkeit entlassen wollte, putschten im Mai 1961 Teile des französischen Militärs gegen den Staatspräsidenten. Auch Fallschirmjäger der Fremdenlegion waren beteiligt; zwei deutsche Legionäre wurden nach dem Scheitern des Coups zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Gegendemonstration: Anhänger der Zugehörigkeit Algeriens zu Frankreich demonstrieren mit der Trikolore an einer von französischen Soldaten besetzten Barrikade in Algier. Auch wenn nicht das ganze Land hinter der Befreiungsbewegung FLN stand, mussten die Franzosen dem Land 1962 schließlich im Abkommen von Evian die Unabhängigkeit zugestehen.

Traduction

aa
 

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